Steckbrief

Botanischer NamePrunus cerasifera
FamilieRosengewächse (Rosaceae)
SaisonEnde Juni – Juli
StandortHecken, Wegränder, Bahndämme
BlüteMärz (weiß, sehr früh)
Roh essbar✅ Fruchtfleisch ja, Kerne nicht
VerwechslungKeine gefährliche
InhaltsstoffeKalium, Vitamin C, Fruchtsäure
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Zwei reife Kirschpflaumen an einem Zweig, eine tiefrot, die andere goldgelb, direkt nebeneinander
Zwei Früchte, ein Zweig, zwei Farben: Rot und Gelb nebeneinander ist bei der Kirschpflaume keine Ausnahme, sondern fast die Regel.

Kirschpflaume erkennen

Die Kirschpflaume (auch Myrobalane genannt) ist kleiner und runder als Mirabelle oder Zwetschge – meist nur 2 bis 3 Zentimeter, fast kugelrund, mit dünner, glänzender Schale. Der Stein löst sich anders als bei der Zwetschge nicht immer sauber aus dem Fruchtfleisch, sondern klebt bei vielen Früchten noch fest. Geschmacklich ist sie herb-süß und schwankt von Frucht zu Frucht stärker als bei ihren Verwandten.

Das auffälligste Merkmal ist aber die Farbe: Gelb, Orange und Dunkelrot kommen am selben Strauch vor, oft sogar am selben Zweig – abhängig von der genetischen Mischung des einzelnen Sämlings. Mirabelle ist dagegen immer durchgehend gelb, Zwetschge immer blauviolett mit einer wachsartigen Bereifung. Wer zwei unterschiedlich gefärbte, aber sonst identisch geformte Früchte nebeneinander an einem Zweig hängen sieht, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Kirschpflaume vor sich.

Dichte Hecke an einem Holzlattenzaun, komplett übersät mit vielen kleinen runden gelben Früchten
Typisch für die Kirschpflaume: keine schlanke Baumkrone, sondern eine dichte, mannshohe Hecke – hier fast vollständig gelbfruchtig.

Kirschpflaume, Mirabelle, Zwetschge – kurz zusammengefasst

Alle drei gehören zur Gattung Prunus und tragen kleine, süß-säuerliche Steinfrüchte – trotzdem lassen sie sich mit etwas Übung sicher unterscheiden. Die Mirabelle ist klein, rund und durchgehend gelb, wächst aber als freistehender Baum auf Streuobstwiesen. Die Zwetschge ist länglich-oval, blauviolett bereift und hat einen sauber lösenden Stein, ebenfalls als Baum. Die Kirschpflaume unterscheidet sich von beiden am deutlichsten im Wuchs: Sie bildet Hecken statt Kronen, reift Wochen früher, und ihre Farbe ist von Gelb bis Rot alles möglich – oft am selben Zweig.

🔑 Geheimtipp

Farbe ist bei der Kirschpflaume kein Reifezeichen. Bei Mirabelle oder Zwetschge bedeutet der Farbumschlag Reife – bei der Kirschpflaume nicht: Manche Früchte sind schon als gelbe Frucht reif, andere bleiben tagelang rot, ohne süßer zu werden. Zuverlässiger als der Blick auf die Farbe ist der leichte Fingerdruck – gibt die Frucht nach, ist sie reif, egal welchen Ton sie gerade hat.

Standorte – warum sie Hecke statt Baum ist

Der wichtigste praktische Unterschied zu Mirabelle und Zwetschge liegt gar nicht in der Frucht, sondern im Wuchs: Die Kirschpflaume verträgt starken Rückschnitt und treibt danach umso dichter wieder aus. Genau deshalb wird sie seit Langem als Hecken- und Windschutzpflanze gepflanzt – entlang von Wegen, Böschungen, Gartengrenzen und stillgelegten Bahntrassen. Wer nach einem freistehenden Baum mit Krone sucht, findet oft nichts, obwohl direkt daneben eine dichte, mannshohe Hecke voller Früchte hängt.

Ich habe selbst einen ganzen Bewuchs an einem alten Bahndamm in meiner Gegend gefunden – ein schmaler, ungenutzter Streifen zwischen Gleisschotter und Wegrand, auf dem seit Jahren niemand mehr schneidet (mehr dazu in meiner Feldnotiz zu genau diesem Damm). Genau solche halb vergessenen Randstreifen sind ergiebiger als jede gepflegte Streuobstwiese, weil dort niemand erntet und die Sträucher sich ungestört ausbreiten konnten. Was beim Sammeln an Bahndämmen, Wegrändern oder fremden Grundstücken rechtlich zu beachten ist: Sammelrecht im Überblick.

Dichter Kirschpflaumenbewuchs entlang eines Wegs auf einem stillgelegten Bahndamm, mit rot-orangen Früchten im Blattwerk
Alte Bahndämme, Wegränder und Grundstücksgrenzen: Genau dort wächst die Kirschpflaume am liebsten – nicht auf der Streuobstwiese.

Ernten – Wochen vor Mirabelle und Zwetschge

Die Kirschpflaume ist die früheste der drei: Sie reift meist schon Ende Juni bis Juli, während Mirabelle erst Ende Juli beginnt und Zwetschge sich bis in den Oktober zieht. Wer im Frühsommer schon Lust auf Wildpflaumen hat, findet hier die erste Gelegenheit der Saison. Reif lösen sich die Früchte mit einer leichten Drehung vom Zweig; da die Farbe wie beschrieben kein verlässliches Signal ist, hilft der Fingerdruck-Test zuverlässiger.

Weil der Stein oft nicht sauber vom Fruchtfleisch lässt, lohnt sich beim Entsteinen etwas mehr Geduld als bei der Zwetschge – ein Kirsch- oder Pflaumenentsteiner erleichtert das bei größeren Mengen deutlich.

Kerne nicht mitessen: Wie bei allen Prunus-Arten enthalten auch Kirschpflaumenkerne Amygdalin, das beim Zerkauen Blausäure freisetzen kann. Das Fruchtfleisch ist unbedenklich – Kerne einfach nicht aufbeißen oder kauen. Ein ganzer, unzerkauter Kern wird unverdaut ausgeschieden.
Zweig derselben Kirschpflaumenhecke mit zahlreichen gelben Früchten und einer einzelnen rötlich anreifenden Frucht
Derselbe Strauch wie oben, anderer Zweig: überwiegend Gelbtöne, dazwischen eine Frucht auf dem Weg ins Rote – die Farbe verändert sich an ein und derselben Pflanze laufend.

Inhaltsstoffe & Gesundheit

Wie ihre Verwandten liefert die Kirschpflaume vor allem Kalium und Vitamin C, dazu Fruchtsäuren, die für den herb-süßen, manchmal recht sauren Geschmack sorgen. Mit schätzungsweise 40–50 kcal pro 100 Gramm liegt sie im üblichen Bereich für kleine Steinfrüchte – kalorienärmer als die sehr zuckerreiche Mirabelle.

Lagerung & Haltbarkeit

Die dünne Schale macht die Kirschpflaume ähnlich empfindlich wie die Mirabelle: Frisch gepflückt hält sie sich bei Zimmertemperatur nur wenige Tage, im Kühlschrank etwas länger. Wer größere Mengen sammelt, sollte zeitnah verarbeiten oder einfrieren.

Zum Einfrieren die Früchte waschen und trocknen; da sich der Stein nicht immer sauber löst, friere ich sie oft ganz ein und entsteine erst beim Auftauen, wenn das Fruchtfleisch weicher geworden ist. So halten sie sich problemlos ein Jahr für Kompott, Marmelade oder Likör.

In der Küche

Die Kirschpflaume lässt sich genauso verwenden wie Mirabelle und Zwetschge: roh vom Zweig, als Kompott, Marmelade oder Chutney. Gerade der schwankende Säureanteil macht sie interessant für Chutney zu Wild oder Käse – die Säure einzelner Früchte gleicht die Süße anderer von selbst aus. Auch als Ansatzschnaps funktioniert sie hervorragend, mit einem Aroma, das zwischen Mirabellen- und Zwetschgenlikör liegt.

Kirschpflaume – Rezepte

Für die Kirschpflaume gibt es hier noch kein eigenes Rezept – sie lässt sich aber 1:1 in den bestehenden Mirabellen- und Zwetschgen-Rezepten einsetzen, einfach die jeweilige Frucht austauschen. Der Liköransatz reagiert kaum empfindlich auf die kleinen Unterschiede in Süße und Säure.

🟡 Mirabellenlikör – Rezept funktioniert 1:1 mit Kirschpflaume 🟣 Zwetschgenlikör – Ansatzschnaps, auch mit Kirschpflaume

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Häufige Fragen

Nein. Das Fruchtfleisch der Kirschpflaume ist unbedenklich und roh essbar, es gibt keinen gefährlichen Verwechslungspartner. Wie bei allen Prunus-Arten enthalten nur die Kerne Amygdalin, das beim Zerkauen Blausäure freisetzen kann – Kerne also einfach nicht aufbeißen oder kauen.
Am zuverlässigsten über den Wuchs: Die Kirschpflaume wächst fast immer als dichte, oft geschnittene Hecke an Wegen, Bahndämmen oder Grundstücksgrenzen, während Mirabelle als freistehender Baum auf Streuobstwiesen steht. Von der Schlehe unterscheidet sie sich durch die deutlich größeren Früchte (2–3 cm statt erbsengroß) und fehlende Dornen an den Zweigen. Von der Mirabelle unterscheidet sie außerdem die Farbe: Mirabellen sind immer gelb, Kirschpflaumen reichen von Gelb über Orange bis Dunkelrot, oft am selben Zweig.
Das liegt an der genetischen Vielfalt wild wachsender Kirschpflaumen. Viele Sträucher sind aus Kernen aufgegangen statt veredelt zu sein, dadurch mischen sich auf einem Strauch oder sogar an einem Zweig unterschiedlich färbende Erbanlagen. Gelb, Orange und Rot nebeneinander sind deshalb keine Krankheit oder Ausnahme, sondern ein normales Merkmal der Art.
Meist schon Ende Juni bis Juli – Wochen früher als Mirabelle (Ende Juli–August) und Zwetschge (Ende August–Oktober). Reif sind die Früchte, wenn sie leicht nachgeben und sich mit einer sanften Drehung vom Zweig lösen, unabhängig von der Farbe.
Christian Dresel

Von

Outdoor-Koch aus Nordbayern. Seit über zehn Jahren am Lagerfeuer und Dutch Oven – immer auf der Suche nach dem besten Rezept für draußen. Mehr über mich →