Steckbrief
Mirabelle erkennen
Die Mirabelle ist die kleinste und süßeste der heimischen Wildpflaumen. Ihre Früchte sind klein, rund und goldgelb, oft mit einem zarten roten Punkt oder Schimmer auf der Seite, die zur Sonne zeigt. Die Schale ist dünn und empfindlich – viel dünner als bei Zwetschge oder runder Pflaume – und das Fruchtfleisch ist saftig-süß mit kaum wahrnehmbarer Säure.
Der Stein löst sich bei voller Reife meist gut aus dem Fruchtfleisch, ist aber kleiner als bei Zwetschge oder Pflaume. Der auffälligste Unterschied im direkten Vergleich: Mirabellen sind deutlich kleiner – oft nicht größer als eine Kirsche – und schmecken durch den geringen Säureanteil fast wie Honig mit Fruchtnote.
Mirabelle, Zwetschge, Pflaume – kurz zusammengefasst
Wer die drei nebeneinander sieht, erkennt den Unterschied sofort: Die Mirabelle ist klein und gelb, die Zwetschge länglich-oval und blauviolett, die runde Pflaume größer, saftiger und meist rot bis dunkelblau. Alle drei sind botanisch Prunus domestica – nur eben verschiedene Unterarten mit sehr unterschiedlichem Charakter. Mehr Details und eine Vergleichstabelle gibt es auf der Zwetschge-Seite.
Leicht zu verwechseln ist die Mirabelle außerdem mit der Kirschpflaume (Prunus cerasifera): Die wächst aber typischerweise als dichte Hecke statt als Baum und trägt Früchte von Gelb bis Dunkelrot, oft mehrfarbig am selben Zweig.
Nicht auf volle Reife am Baum warten, wenn Regen angekündigt ist. Die dünne Schale der Mirabelle nimmt bei Regen schnell Wasser auf und platzt – dann beginnt sie innerhalb von Stunden zu gären. Wer den Wetterbericht im Blick behält und kurz vor dem ersten Regen nach einer Trockenperiode erntet, bekommt die meisten unbeschädigten Früchte.
Standorte – ein Baum aus einem einzigen Kern
Mirabellenbäume verwildern leicht. Ein einziger weggeworfener Kern reicht, damit irgendwann an einem Feldrain, in einer aufgegebenen Gartenecke oder auf einer alten Streuobstwiese ein neuer Baum steht. Diese halbwilden Bäume werden oft jahrelang von niemandem beachtet, bis sie im Spätsommer plötzlich voller kleiner gelber Früchte hängen und ungenutzt zu Boden fallen.
Auch bei der Mirabelle gilt: Fallobst unter einem Baum ist das zuverlässigste Zeichen dafür, dass ihn niemand mehr erntet. Das kurze Erntefenster macht die Mirabelle zu einer Frucht, bei der man nicht lange überlegen sollte, sondern zum richtigen Zeitpunkt einfach hingeht. Was beim Sammeln rechtlich zu beachten ist: Sammelrecht im Überblick.
Ernten – das kurze Fenster nutzen
Die Erntezeit liegt meist zwischen Ende Juli und Ende August – deutlich früher als bei der Zwetschge. Das eigentliche Problem ist nicht das Erkennen der Reife, sondern die Geschwindigkeit: Reife Mirabellen fallen innerhalb weniger Tage vom Baum, weil die dünne Schale kaum Widerstand leistet. Wer eine Woche zu spät kommt, findet oft nur noch aufgeplatztes oder bereits gärendes Fallobst.
Reife Früchte lösen sich mit minimaler Berührung vom Zweig. Am Boden liegende, noch feste Mirabellen sind meist ebenfalls verwendbar – nur schnell verarbeiten, bevor die Fruchtfliegen kommen.
Inhaltsstoffe & Gesundheit
Mirabellen haben von den drei Wildpflaumen den höchsten Zuckergehalt und entsprechend auch die meisten Kalorien – etwa 55–60 kcal pro 100 Gramm. Dazu liefern sie Kalium, Vitamin A und C sowie kleinere Mengen Ballaststoffe. Der geringe Säureanteil macht sie zur mildesten und bekömmlichsten der drei Sorten.
Lagerung & Haltbarkeit
Frisch gepflückt ist die Mirabelle die kurzlebigste der drei Wildpflaumen: bei Zimmertemperatur hält sie sich kaum zwei Tage, im Kühlschrank etwas länger, aber das Aroma leidet schnell. Wer größere Mengen sammelt, sollte am Erntetag verarbeiten oder einfrieren.
Zum Einfrieren die Früchte halbieren und entsteinen – so halten sie sich ein Jahr und eignen sich weiterhin für Kuchen, Kompott oder Marmelade. Getrocknet wird die Mirabelle seltener verarbeitet als die Zwetschge, weil das dünne Fruchtfleisch beim Dörren stark schrumpft.
In der Küche
Roh vom Baum ist für viele die beste Verwendung – kein anderes heimisches Steinobst ist so unkompliziert süß. Für die Weiterverarbeitung ist die Mirabelle die klassische Zutat für Mirabellenkuchen und Marmelade; durch den hohen natürlichen Zuckergehalt braucht man beim Einkochen oft weniger Gelierzucker als bei anderen Wildfrüchten.
Bekannt ist die Mirabelle auch als Grundlage für Obstbrand (in Lothringen/Elsass traditionell als "Mirabelle de Lorraine" geschützt) – und genau diese Eigenschaft, viel Zucker und wenig Säure bei kleiner, fester Frucht, macht sie auch für einen Mirabellenlikör interessant.
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Da Mirabellen von Natur aus schon sehr süß sind, reicht meist ein geringerer Zuckeranteil als das Rezept auf der Packung angibt.
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