🟡 Mirabellenlikör – süß, unkompliziert, schnell reif

Die süßeste der Wildpflaumen braucht am wenigsten Zusatz: weniger Zucker als jeder andere Fruchtlikör, dafür ein feines, warmes Aroma, das schon nach ein paar Wochen trinkbar ist.

⏱ 20 Min. aktive Arbeit ⏳ 4–6 Wochen Ziehzeit 🫙 ca. 600 ml 📅 Saison: Ende Juli–Aug
Ein Haufen gelb-grüner Mirabellen auf einem Teller, Basis für Mirabellenlikör
Reife Mirabellen: klein, süß, kaum Säure – der einfachste Fruchtlikör im Programm.

Warum Mirabellenlikör anders ist

Von allen Wildfrüchte-Likören auf dieser Seite ist der Mirabellenlikör der unkomplizierteste. Die Frucht bringt von sich aus schon so viel Süße und so wenig Säure mit, dass man beim Ansetzen mit deutlich weniger Zucker auskommt als bei Schlehenlikör oder Zwetschgenlikör. Das Ergebnis ist ein goldgelber, weicher Likör, der schon nach vier Wochen trinkbar ist – bei anderen Steinfrüchten dauert das oft länger.

Zutaten

Für ca. 600 ml Likör

  • 500 g Mirabellen, gewaschen und entsteint
  • 500 ml Korn oder Wodka (37–40%)
  • 100–130 g Kandis oder Rohrzucker, weiß oder braun (nach Geschmack)
  • Optional (nach Wahl, 1–2 reichen): halbe Vanilleschote, Zimtstange, eine Prise Muskatnuss, Sternanis oder Gewürznelken

Zur Alkohol-Wahl: Ich habe bisher nur mit Korn und Wodka angesetzt, immer die günstigste Supermarktware – der Geschmack kommt bei diesem Likör ohnehin fast komplett von der Frucht selbst. Beide funktionieren zuverlässig und lassen der Mirabelle den Vortritt, ohne Eigenaromen dazwischenzufunken.

Zur Zuckermenge: Das ist der wichtigste Unterschied zu den anderen Likören auf dieser Seite. Mirabellen sind schon so süß, dass 150–200 g Zucker den Likör schnell eindimensional machen würden. 100–130 g reichen aus, um die Süße abzurunden, ohne die feine Fruchtnote zu überdecken.

Mein Favorit: Ich nehme bei Ansätzen so gut wie nie normalen weißen Kristallzucker, sondern Kandis oder Rohrzucker – mal hell, mal dunkel, je nachdem was gerade da ist. Kristallzucker ist auf reine Süße raffiniert und geschmacklich neutral bis leer. Kandis löst sich außerdem viel langsamer auf, was während der täglichen Schüttelphase für eine ruhigere, gleichmäßigere Extraktion sorgt statt eines schnellen Zucker-Schocks. Rohrzucker – besonders die braune Variante – bringt durch Restmelasse eine leichte Karamellnote mit. Bei der Mirabelle achte ich aber besonders darauf, sparsam zu dosieren, sonst wird es schnell zu süß. Bei den Gewürzen ist eine halbe Vanilleschote meine erste Wahl – die klassische Kirsch-Vanille-Paarung funktioniert bei der Mirabelle genauso gut. Zimtstange, eine Prise Muskatnuss oder Sternanis passen ebenfalls. Ich mische aber selten bis nie mehrere davon, meistens landet nur eins im Glas. Gewürznelken sind auch eine Option, nur eben nicht meine – mir schmeckt Nelke einfach nicht, ist reine Geschmackssache. Nimm einfach, was dir schmeckt.

Zubereitung Schritt für Schritt

  1. Mirabellen waschen und entsteinen. Kleine Früchte lassen sich am schnellsten mit einem Kirschentkerner bearbeiten.
  2. Größere Früchte halbieren, kleine können ganz bleiben – halbiert geht die Extraktion etwas schneller.
  3. Glas vorbereiten: Ein Schraubglas ab 700 ml Fassungsvermögen, am besten 1 Liter, heiß ausspülen und trocken werden lassen.
  4. Alles einfüllen: Mirabellen, Zucker, Alkohol und Gewürze nach Wahl ins Glas. Verschließen.
  5. Täglich schütteln für die ersten 5–7 Tage, bis sich der Zucker vollständig aufgelöst hat. Dunkel und kühl stellen.
  6. 4–6 Wochen ziehen lassen. Durch das weiche Fruchtfleisch geht die Extraktion schneller als bei Schlehe oder Zwetschge. Nach 3 Monaten ist der Likör auf seinem Höhepunkt.
  7. Abgießen und filtern: Zuerst durch ein feines Metallsieb, dann durch ein Passiertuch oder einen Kaffeefilter. In saubere Flaschen abfüllen.
⚠ Kerne vollständig entfernen: Mirabellenkerne enthalten wie alle Prunus-Kerne Amygdalin. Im Kontakt mit Alkohol kann daraus über die Zeit Blausäure entstehen. Das Fruchtfleisch ist unbedenklich – nur die Kerne dürfen nicht in den Ansatz.

Varianten

🍦 Mit Vanille – der Klassiker

Eine halbe Vanilleschote längs aufschlitzen und mit einlegen. Die klassische Kirsch-Vanille-Paarung funktioniert bei der Mirabelle genauso gut und rundet die Süße auf angenehme Weise ab.

🎄 Mit Zimt oder Sternanis

Eine Zimtstange gibt eine warme, herbstliche Note, Sternanis einen leicht lakritzigen Abgang. Auch Gewürznelken sind klassisch. Sparsam dosieren – bei der milden Mirabelle dominieren Gewürze schnell.

🍋 Mit Zitronenschale

Schale einer halben Bio-Zitrone gibt Frische und schneidet die Süße auf. Nur unbehandelte Schale verwenden.

🟣 Mit Zwetschge kombiniert

Mirabelle und Zwetschge im selben Glas ansetzen ergibt einen Likör, der die Süße der Mirabelle mit der Tiefe der Zwetschge verbindet. Zuckermenge dann in der Mitte ansetzen, etwa 130–150 g.

Haltbarkeit & Lagerung

Durch den Alkohol vollständig konserviert, hält Mirabellenlikör theoretisch unbegrenzt. Kühl und dunkel lagern, die helle goldgelbe Farbe verblasst bei direkter Sonneneinstrahlung mit der Zeit etwas.

Servieren & Kombinationen

Pur und gut gekühlt als Aperitif oder Digestif – die milde Süße macht ihn zugänglicher als herbere Liköre wie Schlehe. Mit einem Schuss Prosecco ergibt er einen einfachen, unkomplizierten Aperitif. Zu Vanilleeis oder als Topping auf Pfannkuchen ist er ebenfalls eine gute Wahl.

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Häufige Fragen

Weil Mirabellen von Natur aus schon sehr süß sind und kaum Säure mitbringen. 150–200 g Zucker wie bei Schlehe oder Zwetschge würden den Likör schnell zu süß und eindimensional machen. 100–130 g reichen, um die Süße abzurunden, ohne die feine Fruchtnote zu überdecken.
Ja. Wie alle Prunus-Kerne enthalten auch Mirabellenkerne Amygdalin, das im Kontakt mit Alkohol über die Zeit Blausäure freisetzen kann. Das Fruchtfleisch ist unbedenklich, die Kerne gehören aber nicht in den Ansatz.
Mindestens 4 Wochen, besser 6. Da das Fruchtfleisch der Mirabelle weich und dünnschalig ist, geht die Extraktion schneller als bei fester Schlehe oder Zwetschge. Nach 3 Monaten ist der Likör auf seinem Höhepunkt.
Ja, solange sie nicht schimmeln oder gären. Mirabellen sind sehr druckempfindlich und haben oft kleine Druckstellen – für den Likör ist das unproblematisch, weil ohnehin alles im Alkohol zieht. Nur faulige oder schimmelige Stellen großzügig wegschneiden.
Ja, das Grundprinzip ist identisch. Bei Zwetschgen und runden Pflaumen aber mehr Zucker verwenden (150–200 g), da beide weniger süß und saftiger sind als die Mirabelle. Das Zwetschgenlikör-Rezept zeigt die Variante mit fester Frucht.
Christian Dresel

Von

Outdoor-Koch aus Nordbayern. Seit über zehn Jahren am Lagerfeuer und Dutch Oven – immer auf der Suche nach dem besten Rezept für draußen. Mehr über mich →