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Bahndamm hinterm Haus: erste reife Brombeere im Juli

Direkt hinter meinem Zuhause läuft eine Bahnlinie. Und direkt daneben liegt ein alter Bahndamm – keine Schienen mehr drauf, aber wenn man genau hinschaut, sieht man noch deutlich, dass da mal eine Bahn gefahren ist: der schmale, erhöhte Streifen, der alte Schotter, die Schneise durch den sonst dichten Bewuchs. Und diese Schneise ist inzwischen komplett zugewachsen – mit Brombeeren, mit ein paar anderen Wildfrüchten dazwischen, und mit deutlich mehr, als man von außen vermutet.

Schmaler Weg über den alten Bahndamm, links Farne, rechts eine Brombeerhecke, dazwischen der alte Schotter
Der alte Damm selbst – der Schotter darunter verrät noch, wo früher die Schienen lagen.

Heute war Sonntag, und ich bin mal wieder rüber, um zu gucken, wie es um die Brombeeren steht. Gleich an der großen Hecke am Anfang des Damms war ich richtig erstaunt, was da schon alles dranhängt.

Große, dichte Brombeerhecke am Anfang des Bahndamms neben einem Feldweg
Die große Hecke am Anfang des Damms.

Und tatsächlich: die allerersten reifen Früchte dieser Saison hingen schon dran. Auf Brombeeren freue ich mich schon seit vielen Jahren jedes Jahr aufs neue – dementsprechend groß war die Freude, als ich die erste schwarze, weiche Beere zwischen den Fingern hatte.

Eine einzelne reife, schwarze Brombeere in einer Hand, im Hintergrund die Hecke mit vielen unreifen Früchten
Die erste reife Brombeere dieser Saison – im Hintergrund sieht man, was in den nächsten Wochen noch kommt.

Für eine richtige Ernte ist es noch viel zu früh. Insgesamt waren es vielleicht fünf Früchte, die schon so weit waren, dass ich sie direkt naschen konnte – der Rest der Hecke steht noch komplett grün bis rosa. Aber wenn man sich anschaut, wie voll diese Hecke gerade mit Fruchtständen hängt, weiß man schon jetzt ungefähr, was einen erwartet, sobald der Rest nachzieht.

Fruchtstand mit einigen wenigen schwarzen reifen Brombeeren zwischen sehr vielen grünen, unreifen
So ein Fruchtstand zeigt gut, wo die Reise hingeht: ein paar schwarze zwischen sehr vielen grünen Beeren.

Weiter den Damm entlang gab es noch einiges mehr zu entdecken. Auf mehreren Bäumen und in einer dichten Hecke hingen unzählige kleine, runde Steinfrüchte in Rot- und Orangetönen – das ist die Kirschpflaume (Prunus cerasifera), eine wilde Verwandte der Zwetschge, die an solchen ungepflegten Standorten gerne dichte Bestände bildet. Ein Baum daneben trug schon fast reife Früchte, während andere noch komplett grün waren – je nach Standort und Sonnenlicht ist da eine ganze Menge Streuung drin.

Zweig mit zahlreichen roten und orangefarbenen Kirschpflaumen zwischen grünen Blättern
Kirschpflaumen (Prunus cerasifera) – an mehreren Stellen am Damm richtig dicht behangen.

Dazu ein Walnussbaum mit den ersten, noch komplett grünen Nüssen in ihrer dicken, ledrigen Schale – bis die reif und schälbar sind, vergehen noch Monate. Und eine Wildrose, vermutlich eine Hundsrose, an der die Hagebutten gerade erst angesetzt haben und noch hart und grün sind. Beides klare Herbst-Themen, an denen ich im Vorbeigehen aber gerne mal wieder vorbeischauen werde, um zu sehen, wie weit sie sind.

Zwei junge, grüne Walnüsse in ihrer ledrigen Außenschale an einem Zweig
Die ersten Walnüsse des Jahres – noch grün und weit von der Reife entfernt.
Wildrosenstrauch mit vielen kleinen, grünen, noch unreifen Hagebutten
Hagebutten an der Wildrose – noch grün und hart, bis zur Reife ist es noch weit hin.

Am Ende des begehbaren Stücks komme ich an eine Trennwand mit Graffiti. Links davon höre ich auf – rechts davon fangen schon die aktiven Schienen mit Oberleitung an. Ab hier drehe ich um und laufe den Damm wieder zurück, weiter geht es hier nicht.

Blick zurück auf den begehbaren Weg, links eine Trennwand mit Graffiti, rechts die aktive Bahnstrecke mit Oberleitung
Hier drehe ich um: links die Trennwand, rechts beginnen schon die aktiven Gleise.

Und hier ein klarer Sicherheitshinweis, den ich nicht kleinreden will: Aktive Gleise sind absolut kein Ort zum Sammeln oder Rumlaufen. Nach § 62 der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) dürfen Unbefugte Bahnanlagen gar nicht erst betreten – abgesehen vom rechtlichen Verbot sind Oberleitungen mit mehreren tausend Volt lebensgefährlich, und Züge haben einen Bremsweg von oft über 1.000 Metern. Da gibt es keinen Kompromiss.

Was sich aber immer wieder lohnt, ist der Bereich neben aktiven Gleisen: Wanderwege, die parallel zur Strecke laufen, Böschungen, oder eben alte, stillgelegte Bahndämme wie meiner. Gerade weil dort niemand mäht oder spritzt, wächst an solchen Stellen regelmäßig mehr als anderswo. Ich werde den Damm jedenfalls im Auge behalten und hier updaten, sobald aus den ersten fünf Beeren eine echte Ernte wird.

Häufige Fragen zum Sammeln am alten Bahndamm

Ganz vereinzelt ja – an meiner großen Hecke am Anfang des Damms hingen die ersten paar schwarzen, reifen Beeren, mehr aber wirklich nicht. Auffällig war: Es lag vor allem daran, wo am meisten Sonne hinkommt – genau an der Stelle der Hecke, die am längsten und direktesten in der Sonne steht, waren die einzigen wirklich reifen Beeren zu finden. Der Rest der Hecke, und das ist die überwiegende Menge, steht noch komplett grün bis höchstens rosa. Für eine richtige Ernte ist es also klar zu früh, das wird noch ein paar Wochen dauern. Wie du reife von unreifen Beeren zuverlässig unterscheidest und ab wann sich das Sammeln lohnt, steht im Brombeeren-Guide unter „Ernten – wann und wie“.
Weil dort seit Jahrzehnten kaum jemand eingreift. Stillgelegte Bahndämme werden nicht landwirtschaftlich genutzt, nicht gespritzt und meist nur unregelmäßig gemäht – genau die Ruhe, die Brombeeren, Wildrosen, Kirschpflaumen und Walnussbäume brauchen, um sich über Jahre ungestört auszubreiten. Dazu kommt, dass Vögel gerne auf den Oberleitungsmasten und Böschungssträuchern sitzen und dabei Kerne und Samen fallen lassen – ein Bahndamm ist botanisch gesehen im Grunde ein langer, schmaler Streifen Streuobstwiese und Hecke, den niemand pflegt.
Für wildwachsende Früchte in kleinen Mengen zum Eigenbedarf gilt grundsätzlich das übliche Sammelrecht. Ein alter Bahndamm gehört aber oft noch der Bahn oder ist eingezäunt; wer unsicher ist, hält sich an öffentlich zugängliche Wege und Böschungen und lässt eingezäunte oder erkennbar privat markierte Bereiche links liegen. Was in jedem Fall tabu ist: die eigentlichen Gleisanlagen, egal ob stillgelegt aussehend oder nicht.
Nein. Die Hagebutten an der Wildrose auf meinem Bahndamm waren jetzt Anfang Juli noch komplett grün und hart. Hagebutten reifen deutlich später als Brombeeren – meist erst ab September, mit der eigentlichen Erntezeit im Oktober und November nach den ersten leichten Frösten. Alles Wissenswerte zu Reifezeit und Verarbeitung steht im Hagebutten-Guide.
Christian Dresel

Von Christian Dresel

Outdoor-Koch aus Nordbayern. Sammelt, kocht und dokumentiert, was draußen wächst.