Direkt hinter meinem Zuhause läuft eine Bahnlinie. Und direkt daneben liegt ein alter Bahndamm – keine Schienen mehr drauf, aber wenn man genau hinschaut, sieht man noch deutlich, dass da mal eine Bahn gefahren ist: der schmale, erhöhte Streifen, der alte Schotter, die Schneise durch den sonst dichten Bewuchs. Und diese Schneise ist inzwischen komplett zugewachsen – mit Brombeeren, mit ein paar anderen Wildfrüchten dazwischen, und mit deutlich mehr, als man von außen vermutet.

Heute war Sonntag, und ich bin mal wieder rüber, um zu gucken, wie es um die Brombeeren steht. Gleich an der großen Hecke am Anfang des Damms war ich richtig erstaunt, was da schon alles dranhängt.

Und tatsächlich: die allerersten reifen Früchte dieser Saison hingen schon dran. Auf Brombeeren freue ich mich schon seit vielen Jahren jedes Jahr aufs neue – dementsprechend groß war die Freude, als ich die erste schwarze, weiche Beere zwischen den Fingern hatte.

Für eine richtige Ernte ist es noch viel zu früh. Insgesamt waren es vielleicht fünf Früchte, die schon so weit waren, dass ich sie direkt naschen konnte – der Rest der Hecke steht noch komplett grün bis rosa. Aber wenn man sich anschaut, wie voll diese Hecke gerade mit Fruchtständen hängt, weiß man schon jetzt ungefähr, was einen erwartet, sobald der Rest nachzieht.

Weiter den Damm entlang gab es noch einiges mehr zu entdecken. Auf mehreren Bäumen und in einer dichten Hecke hingen unzählige kleine, runde Steinfrüchte in Rot- und Orangetönen – das ist die Kirschpflaume (Prunus cerasifera), eine wilde Verwandte der Zwetschge, die an solchen ungepflegten Standorten gerne dichte Bestände bildet. Ein Baum daneben trug schon fast reife Früchte, während andere noch komplett grün waren – je nach Standort und Sonnenlicht ist da eine ganze Menge Streuung drin.

Dazu ein Walnussbaum mit den ersten, noch komplett grünen Nüssen in ihrer dicken, ledrigen Schale – bis die reif und schälbar sind, vergehen noch Monate. Und eine Wildrose, vermutlich eine Hundsrose, an der die Hagebutten gerade erst angesetzt haben und noch hart und grün sind. Beides klare Herbst-Themen, an denen ich im Vorbeigehen aber gerne mal wieder vorbeischauen werde, um zu sehen, wie weit sie sind.


Am Ende des begehbaren Stücks komme ich an eine Trennwand mit Graffiti. Links davon höre ich auf – rechts davon fangen schon die aktiven Schienen mit Oberleitung an. Ab hier drehe ich um und laufe den Damm wieder zurück, weiter geht es hier nicht.

Und hier ein klarer Sicherheitshinweis, den ich nicht kleinreden will: Aktive Gleise sind absolut kein Ort zum Sammeln oder Rumlaufen. Nach § 62 der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) dürfen Unbefugte Bahnanlagen gar nicht erst betreten – abgesehen vom rechtlichen Verbot sind Oberleitungen mit mehreren tausend Volt lebensgefährlich, und Züge haben einen Bremsweg von oft über 1.000 Metern. Da gibt es keinen Kompromiss.
Was sich aber immer wieder lohnt, ist der Bereich neben aktiven Gleisen: Wanderwege, die parallel zur Strecke laufen, Böschungen, oder eben alte, stillgelegte Bahndämme wie meiner. Gerade weil dort niemand mäht oder spritzt, wächst an solchen Stellen regelmäßig mehr als anderswo. Ich werde den Damm jedenfalls im Auge behalten und hier updaten, sobald aus den ersten fünf Beeren eine echte Ernte wird.