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Brombeerlikör mit Gin: Sammeltour und erster Ansatz

Zwei Wochen ist es her seit der letzten Feldnotiz – nicht weil nichts los war, sondern weil einfach die Zeit gefehlt hat. In der Zwischenzeit war ich immer mal wieder kurz an einem Strauch oder Baum zum Naschen, aber für eine richtige Ernte hat es nie gereicht. Heute war endlich wieder Zeit, und zwar gleich richtig: erst sammeln, dann direkt weiter in die Flasche. Am bekannten Bahndamm hinterm Haus hängt an der großen Hecke am Anfang gerade richtig viel dran – kaum stand ich davor, war schon einiges in der Dose gelandet.

Ich sammle grundsätzlich nie alles ab, was an einem Strauch hängt – ein Teil bleibt bewusst für Nachfolger und für Vögel und andere Tiere dran. Wie viel man sich als Faustregel maximal nehmen sollte, steht im Abschnitt „Nachhaltig sammeln" im Sammelrecht-Beitrag.

🔑 Wildkochen-Geheimtipp

Nie hungrig sammeln gehen – immer vorher schon was essen. Wer hungrig losgeht, bekommt keine vernünftige Menge zusammen, weil alles direkt im Mund landet statt in der Dose.

(Zugegeben – das war jetzt eher ein Scherz als echtes Insiderwissen. Aber wahr ist es trotzdem.)

Danach ging es auf den Bahndamm selbst. Die Schneise ist gerade komplett zugewachsen – eine ganz andere Welt als noch vor drei Wochen, als ich hier zuletzt entlanggelaufen bin.

Komplett zugewachsener Weg über den Bahndamm mit hüfthohem, dichtem Bewuchs auf beiden Seiten
Der begehbare Streifen auf dem Damm – von der Schneise ist kaum noch was zu sehen.

Am Bahndamm selbst sind die Brombeeren auffällig kleiner als am großen Strauch vorhin – dazu deutlich saurer, was ich persönlich mag, weshalb ein paar der kleinen, noch leicht rötlichen Exemplare mit in die Dose gewandert sind.

Auch auf dem Weg zwischen den Kleingärten und der Bahnlinie gibt es genug Brombeeren – auch dort wieder viel gesammelt, aber wie immer einiges hängen gelassen.

Dose mit gesammelten Brombeeren vor dichtem Blattwerk am Weg zwischen Kleingärten und Bahnlinie
Auch am Weg zwischen den Kleingärten und der Bahn wächst einiges.

Letzte Woche bin ich zufällig an einer extrem ertragreichen Kirschpflaume vorbeigekommen, dort habe ich heute ebenfalls etwas gesammelt. Ein Funfact dazu: Eine Familie mit einem etwa zehnjährigen Kind kam am Fahrrad vorbei, und auf eine Frage des Kindes, die ich nicht verstehen konnte, antwortete die Mutter sinngemäß, das seien Mirabellen, die man sich später mal anschauen wolle. Aufklären konnte ich das nicht mehr, dafür waren sie zu schnell vorbei – aber die Verwechslung von Kirschpflaume und Mirabelle ist mir schon bei der Radtour Mitte Juli mehrfach begegnet und hält sich hartnäckig.

Kirschpflaumenbaum extrem dicht behangen mit orangeroten Früchten
Die bekannte, extrem ertragreiche Kirschpflaume – die heute wieder für Mirabelle gehalten wurde.

Zuhause dann auf die Waage: gut 700 Gramm Brombeeren in 30 Minuten, und weit über ein Kilo Kirschpflaumen in nur 10 Minuten.

Dose voller Brombeeren auf einer Küchenwaage, Anzeige rund 719 Gramm
Die Brombeeren-Ausbeute des Tages.
Dose voller roter und oranger Kirschpflaumen auf einer Küchenwaage, Anzeige 1437 Gramm
Und die Kirschpflaumen – in einem Drittel der Zeit deutlich mehr.

Der Likör-Ansatz: zum ersten Mal mit Gin

Geplant war diesmal etwas, das ich noch nie gemacht habe: Brombeerlikör mit Gin statt Korn oder Wodka, dazu brauner Rohrzucker – der karamellige Geschmack passt gut zur Brombeere – und eine Zimtstange.

Zutaten für den Ansatz: Zimtstangen, brauner Würfel-Rohrzucker und eine Flasche Finley's London Dry Gin
Zimtstangen, brauner Würfel-Rohrzucker und ein London Dry Gin – alles zum ersten Mal in dieser Kombination.

Zuerst kamen 352 g Brombeeren ins Glas – bei dieser Menge wirkte es schon so voll, dass ich erstmal aufgehört habe.

Glas mit Brombeeren auf einer Küchenwaage, Anzeige 352 Gramm
352 g Brombeeren als Basis für den ersten Ansatz.

Danach rund 100 g brauner Würfel-Rohrzucker.

Braune Zuckerwürfel auf den Brombeeren im Glas, Waage zeigt 455 Gramm
Braune Zuckerwürfel obendrauf – zusammen 455 g.

Dann rund 500 g Gin.

Glas mit Brombeeren, Zucker und aufgefülltem Gin auf der Waage, Anzeige 964 Gramm
Mit Gin aufgefüllt – 964 g auf der Waage.

Am Ende war noch etwas Luft im Glas, also kamen nochmal rund 50 g Brombeeren oben drauf, bis es randvoll war – zusammen mit der Zimtstange aus dem Zutatenfoto.

Randvoll gefülltes Glas mit Brombeeren, Zimtstange und Gin
Randvoll: Brombeeren, brauner Rohrzucker, Gin und eine Zimtstange.

Weil danach noch etwas übrig war – sogar vom Gin noch ein Rest –, habe ich gleich ein zweites, kleineres Glas angesetzt: die rund 100 g Gin, die noch in der Flasche waren, dazu etwa dieselbe Menge Brombeeren und eine Handvoll entkernte Kirschpflaumen, zum Auffüllen dann noch etwas Wodka sowie ein paar weitere Brombeeren – deren Mengen habe ich mir nicht mehr gemerkt, am Ende zeigte die Waage rund 530 g. Bewusst ohne jedes Gewürz diesmal – hier soll die pure Frucht sprechen.

Kleineres Glas mit Brombeeren und Kirschpflaumen in Alkohol, Waage zeigt 532 Gramm
Der zweite, kleinere Ansatz – Brombeere und Kirschpflaume gemischt, ohne Gewürz.

Zum Schluss noch ein Blick auf alles, was aktuell in der Wohnung steht: fünf Ansätze gleichzeitig. Die beiden dunkelroten Flaschen links sind die zwei Schlehenliköre vom Monatsanfang, einmal mit Schafgarbenblättern, einmal mit -blüten. Das kleine Glas mit dem blauen Deckel ist der frische Frucht-Ansatz von eben. Die Flasche mit den sichtbaren rot-orangen Fruchtstücken ist der Kirschpflaumenlikör mit Sternanis von vor knapp zwei Wochen. Und rechts, mit der Zimtstange oben herausragend, der neue Brombeerlikör mit Gin von heute.

Fünf Likör-Ansätze nebeneinander: zwei dunkelrote Schlehenliköre, ein kleines Glas mit blauem Deckel, ein Kirschpflaumenlikör mit sichtbaren Fruchtstücken und der neue Brombeerlikör mit Zimtstange
Der aktuelle Stand: fünf Ansätze gleichzeitig, quer durch den Sommer.

Jetzt heißt es wieder warten und gelegentlich schütteln, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Wie sich der Gin gegen Zimt und Brombeere schlägt – und ob die pure Frucht-Variante ohne jedes Gewürz überzeugt –, zeigt sich erst beim Verkosten in ein paar Wochen.

Die beiden Ansätze als Rezept zusammengefasst

Weil ich beim Befüllen ohnehin jeden Schritt gewogen habe, lassen sich die Mengen für Ansatz 1 exakt zusammenrechnen. Bei Ansatz 2 habe ich unterwegs nicht mehr alles einzeln notiert – dort steht, was wirklich bekannt ist, und der Rest wird ehrlich als „nicht mehr nachvollziehbar" ausgewiesen.

🥃 Ansatz 1 – Brombeerlikör mit Gin und Zimt

  • 401 g Brombeeren (352 g zu Beginn + 49 g zum Auffüllen)
  • 103 g brauner Würfel-Rohrzucker
  • 509 g Gin (bei 37,5–40 % Vol. rund 535 ml)
  • 1 Zimtstange

Zusammen 1013 g Ansatz im randvollen Glas – 352 + 103 + 509 + 49 g ergeben genau diese Summe.

🥃 Ansatz 2 – Brombeere und Kirschpflaume pur, ohne Gewürz

  • rund 100 g Rest-Gin
  • rund 100 g Brombeeren
  • eine Handvoll entkernte Kirschpflaumen
  • etwas Wodka und ein paar weitere Brombeeren zum Auffüllen

Zusammen 532 g Ansatz. Von den bekannten rund 200 g Gin und Brombeeren abgesehen, verteilen sich die restlichen rund 330 g auf Kirschpflaumen, Wodka und Nachfüll-Beeren – die genaue Aufteilung habe ich beim Ansetzen nicht mehr festgehalten.

Häufige Fragen zu diesem Ansatz

Reine Neugier – im Brombeerlikör-Rezept auf dieser Seite empfehle ich sonst Korn, Wodka oder milden Rum, weil die entweder neutral bleiben oder gezielt Karamellnoten beisteuern. Gin bringt dagegen eigene Botanicals mit, vor allem Wacholder, oft auch Koriander oder Zitrus, je nach Sorte. Wie sich das mit Brombeere und Zimtstange verträgt, habe ich noch nie ausprobiert – genau deshalb diesmal der Versuch.
Der Rezept-Standard hier auf der Seite ist Milliliter, weil sich Spirituosen so am einfachsten abmessen lassen. Ich habe den Gin bei diesem Ansatz aber einfach auf der Küchenwaage zugewogen, weil ich ohnehin schon dabei war zu wiegen. Wichtig zu wissen: Alkohol ist leichter als Wasser. Ein Gin mit 37,5 bis 40 % Vol. hat eine Dichte von rund 0,95 g/ml – 500 g Gin sind also keine 500 ml, sondern eher 525 bis 530 ml. Für die grobe Küchenpraxis beim Ansatzlikör macht das kaum einen Unterschied, aber sauber umgerechnet ist es eben etwas mehr Volumen, als die Grammzahl suggeriert.
Ganz sicher lässt sich das ohne Bodenprobe nicht sagen, aber die naheliegendste Erklärung ist Konkurrenz um Licht und Wasser. Der große Strauch am Anfang des Damms steht frei am Feldweg, kriegt volle Sonne von mehreren Seiten und muss sich mit nichts anderem um Wasser streiten. Der Bahndamm dagegen ist komplett zugewachsen – dort wachsen Brombeerranken, Farne und andere Pflanzen dicht ineinander verkeilt, konkurrieren um dieselbe Wasser- und Nährstoffmenge im Boden und beschatten sich gegenseitig. Weniger Photosynthese und weniger Wasser pro Pflanze bedeutet in aller Regel kleinere, aber oft auch saurere Früchte, weil weniger Zucker eingelagert wird – genau der Unterschied, den ich hier schmecken konnte.
Weil sich beide Früchte auf den ersten Blick sehr ähneln und die Kirschpflaume deutlich häufiger verwildert vorkommt als die echte Mirabelle. Genau diese Verwechslung ist mir bei einer Fahrradtour im selben Monat schon mehrfach begegnet, unter anderem bei Bäumen, die auf mundraub.org fälschlich als Mirabelle gelistet sind. Die Details zum Unterscheiden stehen in der Radtour-Feldnotiz und im Kirschpflaumen-Guide.
Christian Dresel

Von Christian Dresel

Outdoor-Koch aus Nordbayern. Sammelt, kocht und dokumentiert, was draußen wächst.