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Spanien-Reise: Sonnenfinsternis und die Suche nach Feigen

Partielle Phase einer Sonnenfinsternis, durch ein Teleobjektiv fotografiert: eine schmale rote Sichel vor komplett schwarzem Himmel
Die partielle Phase der Sonnenfinsternis, durch ein Teleobjektiv fotografiert.

Normalerweise steht hier oben eine Wildfrucht oder zumindest ein Pflanzenfoto – heute ausnahmsweise nicht. Der eigentliche Grund für meine Reise nach Spanien war nämlich gar kein Wildkochen-Ausflug, sondern genau das oben: eine Sonnenfinsternis. Wild gesammelt und geschaut habe ich trotzdem einiges, aber eben nur immer dann, wenn zwischen den eigentlichen Reiseplänen mal Zeit dafür war.

Es war für mich schon die zweite totale Sonnenfinsternis meines Lebens – deswegen zeige ich auf dem Foto unten mit der Hand eine Zwei. Die kleine Sichel oben rechts im Bild ist übrigens kein zweiter Blick auf die Finsternis, sondern schlicht ein Lens Flare der Kamera – die echte Finsternis seht ihr oben im ersten Foto.

Christian steht in einem trockenen Feld mit Windrädern im Hintergrund, die große Sonne tief am Himmel, und zeigt mit der Hand eine Zwei
Zweite totale Sonnenfinsternis, deswegen die Zwei.

Wenn ich schon vor Ort war, wollte ich nebenbei nach etwas ganz Bestimmtem Ausschau halten: wilden Feigen. Die Gegend, durch die mich die Sonnenfinsternis-Reise geführt hat, liegt rund 30 Kilometer westlich von Burgos, mitten in Kastilien – kontinentales Hochland auf über 800 Metern Höhe, mit kalten Wintern und deutlich weniger Wärme im Jahresverlauf als die klassischen Feigenregionen im Süden und Osten Spaniens wie Andalusien, Valencia oder Extremadura. Feigenbäume gibt es dort zwar auch, aber unter härteren Bedingungen und mit spürbar späterer Reife als an der warmen Küste. Durch eine Gegend mit wirklich guten Feigenchancen bin ich zwar auch noch gekommen – nur war da schlicht keine Zeit mehr für die Suche, die Reisepläne hatten Vorrang. Dazu kommt der Zeitpunkt: Mitte August ist selbst an der warmen Küste oft noch recht früh in der Reifezeit, im kühleren Hochland von Kastilien verschiebt sich das nochmal um Wochen nach hinten. Die Sonnenfinsternis hat sich bei der Terminwahl leider herzlich wenig um die Feigenreifezeit geschert, und so war ich mit meiner Reise einfach etwas zu früh dran. Ob am Ende trotzdem noch eine reife Feige dabei rausgesprungen ist, verrate ich erst zum Schluss.

Der erste Fund unterwegs war jedenfalls schon mal ernüchternd: eine Brombeerhecke, an der die meisten Früchte bereits am Strauch vertrocknet waren – zwischen all den verschrumpelten Resten hingen nur vereinzelt schwarze Beeren, zum Naschen war das praktisch nichts. Dieses Bild sollte sich noch ein paar Mal wiederholen, bevor überhaupt etwas Essbares dabei herauskam.

Brombeerhecke, an der die meisten Früchte bereits verschrumpelt und vertrocknet sind, dazwischen vereinzelt schwarze Beeren
Der erste Fund der Reise – die meisten Früchte schon am Strauch vertrocknet.

Direkt am Ort, an dem ich die Sonnenfinsternis beobachtet habe, mitten auf einem Feld in einem kleinen Steinhaufen, wuchsen außerdem ein paar Schlehen. Nichts Besonderes und nichts zum Naschen – Schlehen brauchen ohnehin erst Frost, um überhaupt genießbar zu werden –, aber ein netter kleiner Nebenfund direkt am Beobachtungsplatz.

Der erste Feigenbaum, den ich fand, wuchs leider auf fremdem Grundstück – nur ein paar Äste ragten über eine Steinmauer, hinter der ein Dorf mit Kirchturm lag, den Rest hätte ich nur vom Nachbargrundstück aus erreichen können. Die paar erreichbaren Feigen waren aber ohnehin alle noch nicht reif. Eine habe ich trotzdem gepflückt und aufgeschnitten, damit ihr seht, wie das aussieht: blassgrünes, festes Fruchtfleisch, die Kerne kaum ausgebildet – weit weg von reif.

Kurz danach dann endlich der erste echte Erfolg der Reise: An einem alten, verwitterten Scheunentor wuchs ein wirklich großer Brombeerstrauch – hier konnte ich zum ersten Mal überhaupt etwas naschen.

Direkt daneben stand außerdem ein Kirschpflaumenbaum, gut behangen mit kleinen rot-gelben Früchten. Auch hier durfte genascht werden.

Den größten Brombeer-Moment der ganzen Reise hatte ich aber an einem Bahndamm. Den Bahndamm hinterm Haus kennt ihr ja schon aus einer früheren Feldnotiz – dieser hier in Spanien war trotzdem nochmal eine ganz andere Hausnummer: außergewöhnlich große, extrem schmackhafte Brombeeren, wie ich sie so noch nie gegessen hatte. Der ganze Busch hing dicht voll, in allen Reifestadien von Rot bis Tiefschwarz.

Am Wegrand stand außerdem ein dicht behangener Holunderstrauch – schöne, überhängende Dolden voller schwarz-violetter Beeren, aber wie gewohnt nichts zum Rohnaschen. Roh ist Holunder unbekömmlich, erst verarbeitet zu Saft, Gelee oder Sirup wird er genießbar.

Ein Stück weiter stand dann etwas, das auf den ersten Blick auch wie Holunder aussah – bei genauerem Hinsehen aber eine ganz andere Pflanze ist: Zwerg-Holunder, auch Attich genannt (Sambucus ebulus). Er wächst nicht als verholzter Strauch, sondern krautig und in dichten Kolonien direkt am Wegrand, mit schmaleren, spitzer gesägten Blättern und eher aufrecht stehenden statt überhängenden Fruchtständen.

⚠️ Verwechslungsgefahr: Attich statt Holunder – Zwerg-Holunder (Sambucus ebulus) sieht dem Schwarzen Holunder ähnlich, ist aber giftiger und wird, anders als der Schwarze Holunder, auch durch Kochen nicht zu einem unbedenklichen Lebensmittel. Erkennbar an der krautigen, nicht verholzten Wuchsform, den schmaleren, schärfer gesägten Blättern und dem dichten, kolonieartigen Wuchs. Im Zweifel: nicht sammeln, nur anschauen.

Ein bisschen unheimlicher war ein vertrockneter Doldenblütler am Straßenrand, bei dem ich lieber Abstand gehalten habe: Verdacht auf Gefleckten Schierling, eine der giftigsten Pflanzen überhaupt. Ganz sicher lässt sich das an einer komplett vertrockneten Pflanze nicht mehr bestimmen, aber genau deswegen gilt bei Doldenblütlern generell: im Zweifel Finger weg.

Hoher, vertrockneter Doldenblütler mit dunkel gefleckten Stängelabschnitten am Straßenrand, im Hintergrund eine Leitplanke
Verdacht auf Gefleckten Schierling – lieber Abstand gehalten.

Hagebutten sah ich auf der ganzen Reise eigentlich ständig – in Spanien wachsen sie praktisch überall am Wegesrand. Mich persönlich reizen sie nicht sonderlich, aber der Vollständigkeit halber ein Foto.

Dichter Hagebuttenstrauch mit vielen orange-roten Früchten
Hagebutten – in Spanien praktisch überall am Wegesrand.

An einem Haus, an dem ich vorbeikam, hingen außerdem sehr gepflegte Weinreben voller Trauben – eindeutig in Privatbesitz, also nichts zum Naschen, aber zu hübsch, um sie nicht festzuhalten.

Gepflegte Weinreben mit Trauben an einem Haus
Gepflegte Weinreben an einem Haus – schön anzusehen, aber Privatbesitz.

Unterwegs sind mir außerdem gleich vier Pflanzen begegnet, die ich selbst nicht zuordnen konnte – darunter ein Baum mit himbeereähnlichen Früchten, die aber komplett anders wachsen und beim Runterfallen violette Flecken auf dem Gehweg hinterlassen, und eine faszinierende Zapfen-Struktur an einer Zypresse. Weil das für sich genommen schon genug Stoff ist, kommt dazu demnächst ein eigener Artikel – mit allem, was die Bildanalyse dazu ausgespuckt hat.

Der zweite Feigenbaum auf der Suche stand leider wieder auf fremdem Grund, hinter einem Metallzaun am Straßenrand – und auch hier waren die Früchte noch hart und grün. Zweiter Fehlversuch, diesmal doppelt erschwert.

Erst beim dritten Feigenbaum der Reise, an einer Mauer mit etwas Baustelle nebenan, fiel mir eine auffallend helle Feige auf. Kaum berührt, platzte sie fast von selbst auf und löste sich vom Zweig – ein untrügliches Zeichen: reif. Aufgebissen zeigte sich weiches, deutlich saftigeres Fruchtfleisch als bei den ganzen unreifen Vergleichsfeigen zuvor. Eine einzige essbare Feige auf der ganzen Reise – aber immerhin: Ziel erreicht.

Der allerletzte Fotostopp der Reise war dann gar nicht mehr in Spanien, sondern in Saint-Tropez, wo ich auf dem Rückweg noch war. Dort stand direkt am Strand ein riesiger Feigenkaktus voller Kaktusfeigen – und wenig später auf einem Parkplatz noch ein zweiter, genauso dicht behangen. Reif sahen die Früchte allerdings noch nicht aus: größtenteils grün, nur an der Spitze ein zarter rosa Schimmer. Was ich zu dem Zeitpunkt ohnehin nicht wusste: Kaktusfeigen sind essbar, süß-saftig, ungefähr eine Mischung aus Melone und Erdbeere. Ich habe beide Sträucher nur fotografiert und bin im Meer schwimmen gegangen – erst im Nachhinein, bei der Recherche für diesen Artikel, kam raus, dass ich da zwar eine essbare Frucht verpasst habe, aber Mitte August ohnehin zu früh dran gewesen wäre: Die Hauptreife liegt im Mittelmeerraum meist erst im September, mit Erntefenster bis in den Oktober. Einziger Wermutstropfen wären zur rechten Zeit ohnehin die feinen Glochiden auf der Schale gewesen, die man vor dem Essen erst abreiben muss. Naja – nächstes Mal, dann eben im September.

Unterm Strich: eine Reise wegen der Sonnenfinsternis, mit leckeren Brombeeren und Kirschpflaumen unterwegs, einer einzigen erfolgreichen Feige als Highlight – und einer Handvoll Pflanzen, die mich selbst überrascht haben. Was es mit den vier unbekannten Funden von unterwegs auf sich hatte, gibt es in einem eigenen Artikel.

Häufige Fragen zur Spanien-Reise

Die Reifezeit hängt stark von Region, Sorte und Mikroklima ab. In den klassischen Feigenanbaugebieten Spaniens – wärmere, südlichere und küstennahe Lagen wie Andalusien, Valencia oder Extremadura – beginnt die Haupternte oft erst Ende August bis in den September. In kontinentalem Hochland wie in Kastilien, etwa 30 Kilometer westlich von Burgos auf über 800 Metern Höhe, verschiebt sich das durch die kälteren Winter und geringere Jahreswärme nochmal um Wochen nach hinten. Mitte August ist dort also praktisch immer zu früh, und selbst an der warmen Küste ist es noch die frühe Phase der Reifezeit. Ein einzelner reifer Baum zur falschen Zeit ist dabei eher Zufall als Regel.
Die Farbe allein ist bei Feigen ein schlechter Indikator, weil sie je nach Sorte stark variiert – manche bleiben auch reif hellgrün. Verlässlicher sind: Die Frucht hängt sichtbar schlaffer am Stiel statt straff nach oben zu stehen, sie fühlt sich weich statt hart an, und vor allem löst sie sich bei leichter Berührung fast von selbst vom Zweig. Genau das ist mir bei der einen reifen Feige auf dieser Reise passiert – ein kurzer Kontakt, und sie war praktisch schon in der Hand.
Gefleckter Schierling (Conium maculatum) gehört zu den giftigsten Pflanzen Mitteleuropas und des Mittelmeerraums – schon kleine Mengen können lebensgefährlich sein. Typische Erkennungsmerkmale am frischen, grünen Stängel sind rotviolette Flecken, ein kahler (nicht behaarter) Stängel und ein unangenehmer, oft als „mäuseartig" beschriebener Geruch beim Zerreiben der Blätter. Das Problem: An einer bereits komplett vertrockneten, braunen Pflanze lassen sich diese Merkmale kaum noch zweifelsfrei prüfen. Deshalb gilt bei Doldenblütlern generell die Regel: Im Zweifel Finger weg und nicht anfassen oder gar probieren, egal wie unauffällig die Pflanze wirkt.
Ja, Kaktusfeigen (die Früchte des Feigenkaktus, Opuntia) sind gut essbar und schmecken süß-saftig, ungefähr eine Mischung aus Melone und Erdbeere – allerdings nur reif. Im Mittelmeerraum liegt die Hauptreife meist erst im September, mit einem Erntefenster bis in den Oktober; unreife Früchte erkennt man an der noch überwiegend grünen Schale, die erst mit der Reife orange-rot wird. Die einzige Tücke bei reifen Früchten sind die feinen, fast unsichtbaren Glochiden (Härchen) auf der Schale, die man vor dem Essen unbedingt abreiben oder wegschneiden muss – sonst holt man sich winzige Stacheln in Finger und Mund. Mit der echten Feige hat die Kaktusfeige trotz des Namens botanisch nichts zu tun.
Christian Dresel

Von Christian Dresel

Outdoor-Koch aus Nordbayern. Sammelt, kocht und dokumentiert, was draußen wächst.