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Vier Pflanzenfunde aus Spanien, die ich nicht kannte

Zahlreiche dunkelrote bis schwarze Flecken auf einem Gehweg entlang einer Steinmauer
Was hat hier wohl diese Flecken hinterlassen? Die Auflösung kommt weiter unten.

In der letzten Feldnotiz von meiner Spanien-Reise ging es um die Sonnenfinsternis, um Feigen und um einiges, das ich unterwegs zuordnen konnte – Brombeeren, Kirschpflaumen, Holunder, Schlehen. Am Ende hatte ich aber noch vier weitere Funde übrig, bei denen ich selbst keine Ahnung hatte, was da eigentlich vor mir stand. Wie versprochen, kommen die jetzt nach: erst meine eigene, oft ziemlich ratlose Beobachtung vor Ort, danach das, was die Bildanalyse dazu gesagt hat.

Erster Fund: rote Beeren an einem großen Baum, die aussehen wie Himbeeren – nur dass Himbeeren nicht an sowas wachsen

Mitten im Ort stand ein großer, dicht belaubter Baum, unter dem der Gehweg auf einer ganzen Strecke voller dunkler, verschmierter Flecken war – genau das Bild oben. Ich bin erst kurz stehen geblieben, weil ich dachte, da wäre irgendwas ausgelaufen. Erst beim Blick nach oben in die Krone hab ich gesehen, warum: Zwischen den großen, herzförmigen, grob gesägten Blättern hingen kleine, längliche rote Früchte, die aus der Nähe verblüffend wie Himbeeren aussahen. Nur dass Himbeeren eben an niedrigen Ruten wachsen und nicht an einem ausgewachsenen Baum. Einen Namen hatte ich dafür nicht.

🔍 KI-Bildanalyse Maulbeere (Morus, vermutlich Morus alba, Weiße Maulbeere – der Artname bezieht sich auf die Rinde, nicht zwingend auf die Fruchtfarbe). Die Ähnlichkeit zu Himbeeren ist kein Zufall: Beide gehören zu den sogenannten Sammelsteinfrüchten, nur dass die Maulbeere botanisch aus vielen kleinen Einzelfrüchtchen um eine zentrale Achse besteht statt aus einer Rute zu wachsen. Erkennungsmerkmale sind das große, herzförmige, grob gesägte und teils leicht gelappte Blatt sowie der kräftige, verholzte Baumwuchs. Reif ist die Frucht dunkelrot bis fast schwarz und schmeckt süß – und genau die fallenden reifen Früchte sind es, die auf Gehwegen unter dem Baum diese hartnäckigen Flecken hinterlassen.

Zweiter Fund: samtige grüne Hüllen an einem knorrigen, freistehenden Baum

Ganz allein auf einem trockenen, bereits vertrockneten Grashang stand ein knorriger Baum mit schmalen, fast weidenartigen Blättern. Zwischen den Zweigen hingen längliche, samtig-grüne Dinger, die ich zuerst für unreife Früchte, dann für irgendeine Nuss gehalten habe. Angefasst fühlten sie sich weich und leicht filzig an, fast wie ein Pfirsich, nur schmaler und länger. Auch hier: keine Ahnung, was das war.

🔍 KI-Bildanalyse Mandelbaum (Prunus dulcis), und die samtigen grünen Hüllen sind unreife Mandeln – noch komplett geschlossen, ohne die harte braune Schale, die man vom Supermarkt kennt. Erst beim Reifen im Spätsommer/Herbst wird die Außenhülle braun, ledrig und platzt schließlich auf, sodass die bekannte Steinschale mit dem essbaren Mandelkern zum Vorschein kommt. Der knorrige, freistehende Wuchs auf trockenem, kargem Boden und die schmalen, weidenartigen Blätter passen genau zum typischen Habitus des Mandelbaums in mediterranen Trockenlagen.

Dritter Fund: blaugrüne Stauden voller gelber Doldenblüten

An einer Mauer am Straßenrand wucherte ein ganzer Busch aus wachsartigen, blaugrünen Stängeln mit feinen, fast fadenförmigen Blättern und unzähligen kleinen gelben Blütendolden obendrauf. Angefasst oder gerochen habe ich nichts davon – ich fand die Pflanze einfach nur schön anzusehen und wollte im Nachhinein wissen, was das eigentlich ist.

🔍 KI-Bildanalyse Wilder Fenchel (Foeniculum vulgare) – und damit tatsächlich dieselbe Pflanzenart wie der Fenchel aus dem Gemüseregal, nur ohne die dicke weiße Knolle, die eine eigens dafür gezüchtete Sorte bildet. Die blaugrünen, wachsartig überzogenen Stängel, die fein fiederteiligen, fadenförmigen Blätter und die lockeren, gelben Dolden sind typisch, ebenso der intensive Anisgeruch beim Zerreiben. Anders als bei den anderen drei Funden auf dieser Liste ist hier tatsächlich alles essbar – Blätter, Stängel und später die Samen sind aromatisch und werden in der mediterranen Küche vielseitig verwendet.

Vierter Fund: raue, runde Kugeln zwischen schuppigen Nadeltrieben

Dass hier nichts Essbares auf mich wartet, war mir eigentlich schon klar – trotzdem optisch einer meiner Favoriten der ganzen Reise: An einem hohen, dicht gewachsenen Nadelbaum hingen zwischen schuppigen, fächerartigen Trieben lauter runde, holzige Kugeln in unterschiedlichen Brauntönen – manche glatt, andere sichtbar rissig und fast aufgeplatzt. Es ging mir hier wirklich nur um das ungewöhnliche Aussehen, ich musste einfach stehen bleiben und fotografieren.

🔍 KI-Bildanalyse Zypresse (Cupressus, vermutlich Mittelmeer-Zypresse, Cupressus sempervirens). Die runden, holzigen Kugeln sind die Zapfen – bei Zypressen deutlich runder und kompakter als die länglichen Zapfen von Kiefern oder Fichten. Sie bestehen aus mehreren sechseckigen, schildförmigen Schuppen, die mit der Reife braun werden und aufplatzen, um die Samen freizugeben – genau das rissige Muster, das auf den Fotos zu sehen ist. Die schuppigen, fächerartigen Triebe sind ebenfalls typisch für die Gattung. Kein Nahrungsmittel, aber ein schöner botanischer Nebenfund.

Unterm Strich war das genau der Teil der Reise, der mir am meisten Spaß gemacht hat: vier Pflanzen, bei denen ich vor Ort komplett ratlos war, und die sich im Nachhinein doch alle sauber zuordnen ließen. Von "kann man einfach so essen" (Fenchel, Maulbeere) bis "besser nicht ohne sichere Bestimmung" (die wilden Mandeln) war alles dabei. Wer selbst unterwegs auf unbekannte Pflanzen stößt: Foto machen, nichts probieren, und in Ruhe zuhause nachschauen – oder eben, wie ich hier, nachträglich per Bildanalyse klären.

Häufige Fragen zu den vier Funden

Ja, reife Maulbeeren sind roh essbar und schmecken süß, ähnlich wie Brombeeren oder Himbeeren, oft mit einer leicht faserigen Note. Unreife, noch grüne oder blassrote Früchte sollte man dagegen nicht essen, da sie leicht abführend wirken können. Die Bäume selbst sind unproblematisch – anders als bei vielen Doldenblütlern gibt es bei Maulbeeren keine giftigen Verwechslungspartner, die einer ähnlich aussehenden Frucht an einem Baum zum Verhängnis werden.
Bei kultivierten Süßmandel-Bäumen (Prunus dulcis var. dulcis) sind auch die unreifen, noch grünen Fruchthüllen und der weiche Kern darin traditionell essbar, etwa in Teilen Spaniens und Nordafrikas als Snack. Das Problem: Ohne den Baum sicher der Süßmandel-Sorte zuordnen zu können, lässt sich das Risiko nicht ausschließen, dass es sich um eine Bittermandel-Variante handelt, die Amygdalin enthält und daraus Blausäure freisetzen kann. Bei einem einzelnen, unbekannten Baum am Wegrand gilt deshalb: lieber nur fotografieren und nicht probieren, wenn man sich nicht absolut sicher ist.
Botanisch ja, beides ist Foeniculum vulgare – aber die dicke, weiße Knolle aus dem Supermarkt stammt von einer speziell darauf gezüchteten Gemüsesorte (var. azoricum). Wilder Fenchel am Straßenrand bildet keine Knolle, dafür aber aromatische Blätter, Stängel und Samen mit demselben anisartigen Geschmack. Wichtig: Wilder Fenchel gehört zur Familie der Doldenblütler, zu der auch hochgiftige Arten wie der Gefleckte Schierling gehören. Nur sammeln, wenn man die typischen Merkmale – blaugrüne, wachsartige Stängel, fein fiederteilige Blätter, der charakteristische Anisgeruch beim Zerreiben – sicher zuordnen kann.
Reife Maulbeeren lösen sich, ähnlich wie Kirschen bei starkem Wind, leicht vom Zweig und fallen zu Boden – bei einem großen, alten Baum können das über die Fruchtsaison hinweg sehr viele Früchte sein. Das dunkelrote bis violette Fruchtfleisch färbt beim Zertreten stark ab und hinterlässt hartnäckige Flecken auf Gehwegen, weshalb Maulbeerbäume in manchen Städten wegen genau dieser „Sauerei" inzwischen ungern als Straßenbäume gepflanzt werden.
Christian Dresel

Von Christian Dresel

Outdoor-Koch aus Nordbayern. Sammelt, kocht und dokumentiert, was draußen wächst.