
Die unterschätzte Verwandte der Brennnessel
Weiße Taubnessel (Lamium album) und Rote Taubnessel (Lamium purpureum) gehören botanisch nicht zur Familie der Brennnesseln – sie sehen ihr nur ähnlich. Keine Brennhaare, kein Jucken. Wer sie zum ersten Mal pflückt und merkt, dass nichts brennt, ist kurz verwirrt. Dann beeindruckt.
Beide Arten wachsen von März bis Oktober, oft an Zäunen, Wegrändern, in Gärten und lichten Hecken – Orte, die man in der Stadt genauso findet wie auf dem Land. Das macht die Taubnessel zu einem der zugänglichsten Wildkräuter überhaupt. Mehr zur Unterscheidung, zum Standort und zur Verwechslungsgefahr (keine ernsthaften Verwechslungspflanzen) im Taubnessel-Guide.
Für den Tee wird hauptsächlich die weiße Taubnessel verwendet – das Aroma ist mild-aromatisch mit einem leicht süßlichen Nachhall. Die rote Taubnessel kann ebenfalls verwendet werden, ist aber etwas kräftiger im Geschmack.
Was man sammelt – und was nicht
Für Tee sind die Blüten das Beste. Sie haben das feinste Aroma und lassen sich leicht sammeln. Die jungen Blätter gehen ebenfalls gut, die älteren werden etwas bitter. Die harten Stängel lässt man stehen.
- Frische Blüten ergeben einen milden, leicht honigartigen Tee
- Blüten + junge Blätter zusammen geben mehr Körper und Aroma
- Getrocknete Blüten haben ein konzentrierteres Aroma – gut für Vorräte
- Nur an sauberen Standorten ernten – Wegränder mit viel Verkehr oder gedüngte Wiesen vermeiden
Für 2 Tassen braucht man 2–3 gehäufte Esslöffel frische Blüten oder etwa einen Esslöffel getrocknete. Das ist in 5 Minuten gesammelt.
Zutaten
Für 2 Tassen (500 ml)
- 2–3 EL frische Taubnessel-Blüten und junge Blätter (oder 1 EL getrocknete Blüten)
- 500 ml Wasser
- 1 TL Honig nach Geschmack (optional)
- Scheibe Zitrone oder Ingwer (optional)
Zubereitung – Heißaufguss
- Pflanze vorbereiten: Frische Taubnesseln kurz kalt waschen, überschüssiges Wasser abschütteln. Blüten von den Stängeln zupfen wenn gewünscht – oder ganze Triebspitzen nehmen.
- Wasser auf 90–95°C erhitzen, also kurz bevor es sprudelnd kocht. Siedendes Wasser (100°C) zerstört einen Teil der ätherischen Öle und macht den Tee flacher. Wer keinen Wasserkocher mit Temperatureinstellung hat: einfach aufkochen, 1 Minute warten.
- Taubnesseln in eine Teekanne oder einen hitzefesten Becher geben. Heißes Wasser darüber gießen. Mit Deckel abdecken – das ist kein Ritual, sondern verhindert, dass die flüchtigen Aromastoffe mit dem Dampf entweichen.
- 7–10 Minuten ziehen lassen. Nicht länger – der Tee wird nicht besser, nur etwas bitter. Absieben und nach Geschmack mit Honig und Zitrone verfeinern.
Kaltaufguss über Nacht: Frische Taubnesseln in kaltes Wasser geben (1 Handvoll auf 500 ml) und über Nacht im Kühlschrank stehen lassen. Am nächsten Morgen abseihen. Das Ergebnis ist ein besonders sanfter, klarer Tee mit mehr Süße und weniger Bitterkeit als beim Heißaufguss – ideal als Sommergetränk mit Eiswürfeln. Mit einem Schuss Holunderblütensirup wird er zum vollständigen Sommerdrink.
Vorrat anlegen – Taubnesseln trocknen
Wer im Frühling und Sommer einen Vorrat anlegen will, kann Taubnesseln problemlos trocknen. Das Ergebnis hält sich im geschlossenen Glas bis zu einem Jahr.
So geht es
- Blüten und junge Blätter auf einem Backpapier oder Trocknungsrost ausbreiten – nicht übereinander
- An einem luftigen, schattigen Ort trocknen lassen (direktes Sonnenlicht blass die Inhaltsstoffe aus)
- Nach 3–5 Tagen bei Raumtemperatur sind sie trocken. Alternativ: Backofen auf 40°C, Tür einen Spalt öffnen, 2–3 Stunden
- Trockentest: Blüten müssen rascheln und beim Zerreiben zu Pulver zerfallen
- In einem dunklen Glasbehälter lagern
Kombinationen
Mit Brennnessel
Klassische Mischung. Gleiche Teile Taubnessel (mild, süßlich) und Brennnessel (grüner, erdiger). Ergibt einen ausgewogeneren Tee mit mehr Tiefe.
Mit Pfefferminze
Frische Pfefferminzblätter dazugeben ergibt einen erfrischenden Sommer-Tee. Verhältnis 2:1 (Taubnessel:Pfefferminze) damit die Minze nicht dominiert.
Mit Ingwer und Honig
Im Winter: eine Scheibe frischer Ingwer mitziehen lassen, danach Honig einrühren. Wärmt, ohne zu scharfen – guter Abendroutine-Tee.