Blüten und Beeren – zwei verschiedene Jahreszeiten, zwei verschiedene Produkte
Der Holunderblüten-Sirup ist ein Frühlingsrezept. Die Blüten erscheinen im Mai und Juni, das Fenster ist eng, der Geschmack ist hell, blumig und zart. Holunderbeeren hingegen reifen im August und September – und was dabei entsteht, ist das Gegenteil: dunkel, kräftig, herb, fast ein bisschen fermentiert im Nachgeschmack.
Wer beide Produkte aus derselben Pflanze macht, hat im Grunde das ganze Jahr abgedeckt. Blüten im Frühjahr, Beeren im Herbst. Beide Male geht es um ein paar Stunden Arbeit für etwas, das man kaufen kann – aber nicht in dieser Qualität.
Wichtig: Roh nicht essen
Das klingt schlimmer als es ist. Sambunigrin in Holunderbeeren ist gut erforscht, die Mengen sind überschaubar, und das Kochen neutralisiert es vollständig. Kein Grund zur Panik, aber ein Grund zur Aufmerksamkeit. Wer das weiß, ist auf der sicheren Seite.
Die Ernte
Holunderbeeren sind von August bis Oktober reif, je nach Standort. Reife Beeren sind tiefschwarz bis schwarzviolett – nicht dunkelrot, nicht grün-schwarz-gemischt, sondern einheitlich tief schwarz. Die Rispen biegen sich unter dem Gewicht nach unten. Die Beeren lassen sich leicht zwischen den Fingern zerdrücken und hinterlassen einen dunklen Fleck.
Unreife oder rote Beeren nicht verwenden. Sie enthalten deutlich mehr Sambunigrin und schmecken außerdem bitter und adstringierend. In einer Rispe können reife und unreife Beeren gleichzeitig vorkommen – beim Abstreifen fallen die reifen von selbst ab, die unreifen sitzen fester.
Beim Sammeln: Gummihandschuhe sind keine Pflicht, aber sinnvoll. Der Saft der Beeren färbt tiefschwarz-violett und lässt sich aus Kleidung kaum noch entfernen.
Zutaten
Für ca. 1 Liter Saft
- 1 kg reife Holunderbeeren (entstielt, gewogen)
- 300 ml Wasser
- 150–200 g Zucker (nach Geschmack)
- Saft von 1 Zitrone
- 2–3 Nelken (optional, sehr empfohlen)
- 1 Zimtstange (optional)
Der Zuckeranteil ist Geschmackssache. Wer einen herben Direktsaft möchte, nimmt 100–150 g. Wer einen eher süßen Wintergetränk-Sirup anpeilt, geht auf 250–300 g. In der Mitte liegt ein ausgewogener Allrounder.
Zubereitung Schritt für Schritt
- Beeren entstielen: Eine Gabel durch die Rispen ziehen – die Beeren fallen in die Schüssel, die Stiele bleiben an der Gabel. Schnell und effizient. Keine Stiele mitnehmen: sie enthalten höhere Sambunigrin-Konzentration.
- Kurz waschen: Beeren in ein Sieb geben, kalt abspülen. Beschädigte oder noch rote Beeren herauslesen.
- Kochen: Beeren mit Wasser, Nelken und Zimtstange in einen Topf geben. Aufkochen, Hitze auf mittel reduzieren, 15–20 Minuten köcheln. Die Beeren zerplatzen und verfärben das Wasser tiefschwarzviolett.
- Abseihen: Durch ein feines Sieb abgießen und die Masse kräftig auspressen – kein Problem hier, keine Härchen wie bei Hagebutten. Je mehr gepresst wird, desto mehr Saft und Farbe.
- Abschmecken: Saft mit Zucker und Zitronensaft aufkochen, 2–3 Minuten köcheln, abschäumen. Abschmecken – falls nötig mehr Zucker oder Zitrone.
- Abfüllen: Heiß in sterilisierte Flaschen abfüllen. Sofort verschließen und abkühlen lassen.
2–3 Nelken und eine Zimtstange beim Kochen klingen nach Weihnachtsmarkt – sind es aber nicht. Der Effekt ist subtiler: Die Gewürze runden den herben Eigengeschmack der Holunderbeere ab, ohne den Saft in die Gewürz-Ecke zu drängen. Wer blind eine Kostprobe trinkt, kann die Nelken kaum benennen. Er merkt nur, dass der Saft runder schmeckt als ohne. Das ist das Ziel. Wer es erst ungläubig probiert: Einer Variante mit und eine ohne – der Unterschied ist eindeutig.
Was man damit macht
Haltbarkeit
Korrekt abgefüllt – sterilisierte Flaschen, heiß eingefüllt, sofort verschlossen – hält der Saft ungeöffnet ein Jahr problemlos. Nach dem Öffnen im Kühlschrank, innerhalb von 4–6 Wochen trinken. Schaum oder Gärgeruch bedeutet: wegkippen und beim nächsten Mal Sterilisation nicht überspringen.
Was du brauchst
Dampfentsafter
Wer jedes Jahr größere Mengen Beerensaft macht, ist mit einem Dampfentsafter gut bedient. Kein Pressen, keine Sauerei, der Saft läuft klar durch. Für Holunder, Schlehe, Hagebutte, Johannisbeere – universell einsetzbar.
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